Fürstenwerder Wortgarten

Einstiges Ackerbürgerstädtchen in der Uckermark. Bevölkerung auf 700 Seelen geschrumpft. 3/4 der Stadtmauer noch erhalten. Kaum Empfang. Im Hotel muss man immer wieder nach neuem Wlan-Passwort fragen, das ist zeitlich begrenzt und man bekommt es auf vorbereiteten gelochten Zetteln, mit denen man sich erstmal auf Empfangssuche begeben muss. Schande über die regionale Netzdichte in Deutschland.

Hier nahmen ein Wochenende lang zahlreiche hochdotierte Autoren am „Wortgarten, Festival für Literatur und Musik in der Uckermark“ teil. Und die scheinen sich schon grösstenteils für ein besonders bedeutsames Völkchen zu halten, die Literaten.

Ein einheimischer Landwirt wollte sich uns am ersten Abend mitteilen und erklären, warum er mit Glyphosat arbeitet, konnte aber aufgrund fortgeschrittener Trunkenheit nur noch unverständige Bruchstücke seiner Kenntnisse zu Gehör bringen. Schade, denn er schien sich wirklich eine Menge Gedanken über das Thema gemacht zu haben.

Gutbesuchte Veranstaltungen an verschiedenen Orten und viele neue Eindrücke.

Tomatige Farbenpracht

Davon kann leider bisher keine Rede sein, so gut wie alle Tomaten sind noch grün, wenn auch mit teils erstaunlichen Formen.

Zum Beispiel hier die Zahnradtomate. Und beim Ochsenherz Findling sind alle Früchte verschieden geformt.

Dattelwein übertrifft in der Menge alles.

Kann man ja schon mal seine Sorten nach Farben geordnet hinschreiben, sozusagen in Vorfreude:
Black Krim, Black Zebra, Black Cherry, Black Plum, Schwarzer Russe, Schwarzer Elefant, Schwarze Trüffel, Ananas Noir.
Weißer Pfirsich, Snowwhite Cherry, Weiße Schönheit, Weiße Mirabelle, Weiße Dattel, White Sensation.
Aunt Ruby German Green, Green Tiger, Green Zebra, Evergreen, Emeraude.
Orange, Polnische Orange, Orange von Goeljenbier.
Marianas Blaue, Blue Beauty, Glossy Rose Blue.
Ponderosa Pink, Rosa Bärentatze.
Gelbe Banane, Lilians Yellow Heirloom, Carrotlike, Ida Gold, Goldene Königin.
Rote Zora.
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Außerdem:
Old German, Indigo Kumquat, Suncho Cola, Lungi si Rotunde, New Mexico, Beta, Scabitha, Malakhitovaya Shkatulka (außerordentlich reichtragende grüne), Tumbling Tiger, Amber Colored, Dwarf Shadow, Mascota, Amethyst Jewel, Oaxacan Jewel, Brandy Wine Black, Sarandipidy, Long Keeper, Azoychka, Candy Sweet Icycle, Ochsenherz Findling, Lämpchen, Fence Row, Resi, Rosii Marunte, Venusbrüstchen, Schwärzels, Rozovyilzumnyi, Sandorino, Hellfrucht, VeniVidiVici, sibirisches Birnchen, Guernsey Island, Beste von Allen, Indigo Cherry Drops, St. Pierre, Zahnrad, Barbanjaca, Indigo Rose, Moskwitch, Tarasenko, Tastery, marokkanische Flasche, Nadja, Dattelwein.

So. Damit sind dieses Jahr mal alle Sorten aufgelistet.

Dwarf Shadow (Bild) ist schon bisschen geerntet, Carrotlike, Oaxacan Jewel und Nadja auch. Ah, und bald wieder alles auf einmal…

Erdginseng und Agastache

Der apfelgrüne Erdginseng oder Surinamspinat (Portulakgewächs mit leicht sukkulenten Blättern) entwickelt sich prächtig und schiebt schon Seitentriebe. Ich lerne: die Blätter kann man für Salat nehmen und auch als Wundauflage zur Beschleunigung der Heilung, die Wurzel wirkt allgemein stärkend. Hübsch aussehen tut die Pflanze auch. Was man alles bei Tauschticket ertickern kann.

Auch eine Agastachenart ist dieses Jahr neu, dunkle Blätter, sehr würzig und aromatisch.

Und auf dem Weg wächst Sommerportulak, unverwüstliches Wildkraut.

Ökologischer Fussabdruck

Der ist nicht besonders, wenn man sonntags stundenlang mit dem Auto an der Oder auf polnischer Seite langfährt. Aber was kümmert das den Sonntagsfahrer bei den ständigen Regengüssen.

In Ognica bisschen rumlaufen. Hinter dieser Riesendistel trifft ein Seitenarm auf die Oder…

… was man hier noch besser sehen kann.

Schon fängt es wieder an zu regnen.

Straussenfarm

Das Alphaweibchen ist die Hauptfrau, daneben hat das Männchen noch zahlreiche Nebenfrauen. Die Eier aller Frauen liegen in einem einzigen Nest, das von allen gemeinsam bebrütet wird, wobei die gerade Brütende ihre eigenen Eier in die Mitte sortiert und den Rest drumrum und ausserhalb des Nestes. Nachts brütet das Männchen, das legt alle Eier wieder unter sich.

Das Gehirn nur erbsengross, dafür schöne Wimpern.

Die Ohrschlitze liegen am Hinterkopf.

Der Fuss hat zwei Zehen mit gefährlichen langen Krallen, leider hier nicht sichtbar, dafür die reptilienartige Hautstruktur.
Renngeschwindigkeit bis zu 70 km/h. Der Strauss kann Menschen töten, indem er mit seinen 150 kg Gewicht auf ihnen herumtrampelt.
Straussenfleisch ist dunkel und schmeckt nicht wie Geflügel, eher wie Wild, würde ich sagen.
Faszinierender Urweltvogel!