Keller

Den kann man mal wieder gründlich ausfegen. Ist schon eine Ewigkeit her. So sieht es auch aus.
Natürlich ist es damit nicht getan, weiss ich ja. Sehr viele Eimer voll abgebröckeltem Putz weggeschleppt. Spinnweben ohne Ende. Ich selbst zum Spinnweben-Staubwölkchen mutiert.

Kellerfund aus dunkler Ablageecke an der Treppe. Für sehr kleine Füsse, Pantoffel mit Schafwolleinlage und Platz für dicke Socke, ungefähr Gr. 34, Kinderschuhabsatz genagelt. Wie alt mögen sie sein, wer trug sie?

Das Fenster zum Hof.

Noch hält der Fensterknopf.

Und weil der aufgewirbelte Feinstaub aus dem Keller ins Treppenhaus kroch und auch unter den Zimmertüren durch, war anschliessend allergrösstes Putzen angesagt. So schnell keine Kellersäuberung mehr!

Laub

Die sehr alte Nachbarin harkt langsamen Schrittes die letzten Blätter zusammen. Es geht immer schlechter, sagt sie, aber es müsse ja weg, neulich hätte sie vier Karren…und Herr Soundso, obwohl schon 86, komme manchmal zum Helfen.
Ich schaue sie an, ihre weissen Haare immer in Form gelegt, die Augenbrauen immer unauffällig exakt nachgezogen, die zierliche gebeugte Gestalt.
Der Kirschbaum hat noch so viele Blätter. Und auf dem Friedhof das Grab ist auch immer wieder voll, seufzt sie.
Ich erwähne den Nussbaum und dass da jetzt alles runter ist und ich in einem Rutsch wegharken kann. Sie sagt, ihren hätte ihr Mann noch gefällt, wie froh sie darüber sei, so viel und so schwer war das Laub.
Andererseits, sage ich nun doch, hat die Natur das ja so eingerichtet für den Nährstoffkreislauf, diese schützende Schicht, man könnte sie auch liegen lassen. Sie nickt sofort, gibt mir recht. Man hört so viel über ausbeuterische Landwirtschaft, sagt sie. Kurz werfen wir uns die Schlagworte zu, falsche Tierhaltung, Antibiotika, erodierende Böden…
Später fange ich unterm Nussbaum an zu harken. Unter dem regenschweren Laub beim Kompost kommen grosse Mengen Regenwürmer zutage, wie toll. Aber meine Programmierung lautet Laub weg, ich kann sie nicht stoppen, der Weg muss frei sein.

Verlassene Villa

Die Ruine ist in den Hügel gebaut zwischen den Bäumen zu sehen. Aber den Anfang des Weges finden wir nicht, also geht es erstmal steil den Hügel hoch. Und da ist er dann, der Weg, ziemlich breit, wie es sich für die Auffahrt zu einem repräsentativen Gebäude gehört.

Das war mal sehr prächtig. Entworfen vom Architekt Muthesius, Bauzeit von 1909 – 1911. Und zwar zusammen mit einer weiteren Villa auf dem Grund einer uralten Burg.

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Durchs dunkle Dickicht

Eilig sich durchs Brombeergestrüpp schlagen, zwischen hohen Bäumen durchschlängeln, die Dämmerung setzt bald ein und das Ziel so nah…

Ah, die Gründgens-Villa.

Sehr verfallen, aber leider gut abgesperrt.

Diese Stufen erklomm einst Gustav Gründgens.

Aber auch in neuerer Zeit…

… kommt hin und wieder jemand her.

 

Ton aus

Eine ganze Zeile niedriger Fabrikgebäude an der Straße. Der Zaun ist an einer Stelle niedergetrampelt, man kommt bequem rein. In der ersten Halle Pakete voll Prospektmaterial und Karten mit Golfmotiv. Erstaunlicherweise befinden sich hier auch ein gutes Dutzend verstreuter Kinderwagen.

Hier wird schon lange nichts mehr produziert. Später recherchiere ich: Der Betrieb musste 1996 Konkurs anmelden.

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