Von den Alten

Im sogenannten Klavierzimmer ist die Heizung immer aus. Zwar steht dort noch das wurmstichige schwarze Klavier, sonst dient der Raum als Lagermöglichkeit für verschiedene Dinge. Zum Beispiel für Lebensmittel, die kurzfristig mühelos, also ohne den Umweg über Treppen erreichbar sein sollen. Zwei alte Sofas im Eck sind übersät mit Jacken, Sitzpolstern der Terrassenmöbel und Plastiktüten, vorm Fenster der kleine alte Kindertisch.
Die Mutter braucht eigentlich nur wenig Wohnraum, das grosse Haus und der Garten überfordern sie schon seit Jahren. Der Vater dagegen plante und baute dieses Haus, es ist für ihn eine Art Lebenswerk. Er plant und baut auch jetzt noch, zuletzt eine Überdachung für die Mülltonnen und eine Verbreiterung der Garageneinfahrt.
Es sind Herbstferien, mein Sohn hat frisch den Führerschein und Lust auf eine längere Tour. Also macht er sich mit mir, der Mutter, die nicht Auto fahren kann, auf den Weg von Berlin ins Weserbergland zu seinen Grosseltern. Die freuen sich und verschieben zwei Arzttermine. Wir machen einen Ausflug ins Wisentgehege. Der Spaziergang voran zwischen Insektenhotel, Geweihwild, Wisent und Wildschwein, auch meine Mutter geht langsam klaglos mit. Die Sonne scheint, aber ich friere ein bisschen, wäre gern schneller. Als ich die Kamera raushole, setzt mein Vater sein übliches fotogenes Witzgesicht auf und meine Mutter lächelt etwas gequält. Wäre sie schlechter drauf, würde sie genervt sagen: ach Jani, lass doch das.


Zwei Eulen im Wisentgehege.

Nachmittags harken wir mit dem Vater das Laub von seinem vertikutierten Rasen und stopfen es in Müllsäcke. Die Mutter ist erschöpft, sitzt mit hochgelegten Beinen im Wohnzimmer und schaut durchs Fenster zu.

Ein Gedanke zu „Von den Alten

  1. Tierchen sind wirklich schön! Ein Eulenpaar…..
    Die Eule ist eines meiner Totems, das mich schon sehr lange begleitet.
    Liebe Grüße
    Grey Owl

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