Viel Bienen und Schafe…

… verdient der Bauer im Schlafe.
„Ich wollte gerade dichtmachen, nichts los heute“, empfängt uns der Wirt vom Dorfgasthof Quilitz. Choriner Bier könne er sowieso nicht zapfen, der Schlauch sei kaputt – dann lässt er sich wenigstens auf ein Radeberger ein.
Und er sitzt am Nebentisch und beginnt zu erzählen. Vom verrottenden Spargel auf den Feldern, weil die Erntehelfer aus Polen von den deutschen Behörden reglementiert werden und deshalb lieber nach Holland und England arbeiten gehen. Vom verregneten Pfingstsonntag, der die Besucher ausbleiben lässt. Dass der Gasthof keine Familie mehr ernähren kann. Er erzählt vom Niedergang des Ortes Lunow. Früher waren fünf Gaststätten und ein Café hier. Es gab nur Mittel- und Kleinbauern, keine Gutshöfe. Die Bauern wurden wohlhabend durch Tabakanbau, in den dreißiger Jahren soll Lunow zu den wohlhabendsten Dörfern Deutschlands gehört haben. Die Schule ist groß und gut in Schuss, der Sportplatz gleich dran – und trotzdem wurde sie dichtgemacht, weil es ein Jahr mit nur elf Schulanfängern gab, aber fünfzehn werden von den Behörden gefordert. Der Kindergarten feiert dieses Jahr 100jähriges Bestehen und ist der älteste in Brandenburg, evangelisch auch zu DDR-Zeiten, aber damals gab es noch einen staatlichen dazu.
Fast 2000 Einwohner waren hier, heute nur noch 1200. Und bis zum Krieg eine Fähre über die Oder nach Belinek, früher Bellinchen, die hat er noch gesehen.
Wir lauschen gebannt und trinken ein Bier nach dem anderen.
Bedauerlich, das Gespräch nicht aufgenommen zu haben. Und ich schreibe das alles jetzt sofort auf, weil ich es morgen vielleicht nicht mehr so wiedergeben kann.

Ein Gedanke zu „Viel Bienen und Schafe…

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