Tunnel oha!

Der Encumeada-Pass liegt in der Mitte Madeiras zwischen Ost- und Westhälfte. Heute ist klare Sicht, nur der Wind bläst bisweilen heftig. Wir haben uns eine Wanderung mit drei Tunneln vorgenommen. Start an der Boca da Encumeada (1007 m hoch) beim Parkplatz, entlang der Levada läuft es sich gut. Dann der erste Tunnel.


Ungefähr 1 km gerader Verlauf, hinten ist schon der Ausgang zu sehen. Wirkt auf dem Foto völlig harmlos.

Der begehbare Rand neben der Levada wird aber immer enger, dazu die Decke immer tiefer, so dass man teilweise nur gebückt an den Fels gelehnt vorankommt, selbst ich trotz geringer Körperhöhe. M. geht voran, seine Taschenlampe degeneriert zur schwachen Funzel, schliesslich kramt auch er mühsam das Handy aus dem Rucksack und schaltet Taschenlampenapp an – prima, jetzt geht es besser voran. Trotzdem scheint der Tunnel sehr lang, wir atmen auf, als wir draussen sind. Noch weitere etwas bleiche Gesichter tauchen kurz nach uns auf.


Dann kommt ein sehr schöner Weg.


Plätschernder Wasserfall.


Die Levada ist gut gesichert.


Bartflechte (Usnea Barbata) hängt von Bäumen. Jawohl, ich habe mal was im Bestimmungsbuch gefunden.


Etwas später bei diesem mächtigen Wasserfall beginnt der zweite Tunnel. Er soll noch enger und tiefer als der erste sein, dazu glitschig und 2 km lang. Eine Gruppe fideler Sachsen und ein junges Pärchen stehen mit uns am Eingang, alle entschliessen sich umzukehren.

Als der erste Tunnel wieder in Sicht kommt, schliessen wir uns für den Durchgang der sächsischen Gruppe an, zügig geht es jetzt voran, man weiss ja, was kommt. Der Anführer pfeift ‚Hänschen klein‘, manchmal blitzt er seine Leute ab, ich halte leichten Gemüts Schritt und denke von M. dasselbe. Aber am Ausgang ist er gar nicht mehr hinter mir. Erst eine Viertelstunde später höre ich schwere Schritte – ungefähr als die Sachsen mich fragen, ob ich meinen Mann verloren hätte, erscheint er endlich. Mitten im Tunnel nämlich hatte sein Handytaschenlampenapp schlapp gemacht mit der Mitteilung, er solle sich jetzt die Vollversion kaufen. Also musste er seine Funzel wieder rausholen, deren Licht kaum bis zu den Schuhspitzen reichte und brauchte dementsprechend länger. Horror. Und rufen wollte er auch nicht, um die sächsische Gruppe nicht aufzuhalten.


Vorm Tunnel gehen wir dann bequem die Hauptlevada weiter und geniessen die Berglandschaft.


Eine Belladonna-Lilie, wenn ich mich nicht irre.


Bizarre Formation.

2 Gedanken zu „Tunnel oha!

  1. Dies sind sehr faszinierende Bilder. Wilde Berge, dschungelartige Vegetation, versteckte Wege. Ich weiss nicht, ob ich alleine durch diesen Tunnel gegangen wäre – so steif, wie ich mich manchmal fühle.

  2. REPLY:
    Gibt es sicher noch jede Menge, aber die meisten gehen ja an den Levadas lang und stehen inzwischen in Wanderführern. Und die Tunnel sind oft gar nicht so schlecht zu gehen, nur ich mit meinen Urängsten muss mich überwinden. Man holt sich höchstens Beulen, wenn man nicht aufpasst.

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