Kuba 2

5.2.
Rumba

Sonntag ist und heiss und in der Callejon de Hamel ab mittags Rumbamusik. Es wird afrokubanisch aufgespielt. Das Fernsehen ist auch da und interviewt den Künstler Salvador Gonzáles. Der ist Santeria-Anhänger. Ich lerne, das ist eine religiöse Mischform afrikanischer Götterkulte durchsetzt mit anderen kubanischen kulturellen Einflüssen. Der interviewte Künstler hat jahrelang die gesamte Häuserzeile mit Graffitis in Form von afrokubanischen Symbolen bemalt und grosse totemartige Skulpturen gestaltet.

Die angesagte Trommelmusik hat noch nicht begonnen, aber die Gasse ist schon dicht gefüllt mit erwartungsvollen Menschen, Einheimischen und Touristen.

An die Hauswand gedrängt bleibe ich stehen, ganz guter Platz hier zum Beobachten, die Musik kann ich ja hören. Die kleine Niña hinter der verriegelten Gittertür interessiert sich für mein Armband, holt einen Ball, zeigt ihre Ohrringe und albert herum.

Ihre Grossmutter vermeidet Blickkontakt, mag aber den angebotenen Fishermans Friend-Bonbon.

Bemalte Mauer.

Symbolhaltige Hausbemalung.

Mehr…

… und mehr…

… und mehr Bemalung.

5.2.
Hinterm Bahnhof…


… ein stark abgesichertes Elektrizitätswerk, auf der anderen Strassenseite Wohnhäuser.

 

4.2.
Internet auf Kuba

Auf öffentlichen Plätzen, vor Häusern, in Schlangen – überall sieht man Habaneros, die auf ihre Handys gucken, manche winken sich zu, freuen sich über offensichtlich zustandegekommende Verbindungen – so wie überall in den Anfangszeiten des mobilen Netzes. Seit ungefähr Weihnachten gibt es das Internet-Pilotprojekt für Privathaushalte, 1Std. für umgerechnet 1,40 €, zunächst nur in Havanna, habe ich gelesen.
Wir zahlen im nahegelegenen Saratoga-Hotel ca. 4€ für 1/4 Std, entspanntes Surfen unmöglich. Im Havanna Libre Hotel kostet die Stunde 5€.
Jemand, der letztes Jahr hier war, hat den Tipp gegeben, dass auf grossem Platz beim Theater freies Wlan sein soll. Der grosse Platz ist tatsächlich sehr voll mit Leuten jeden Alters, die auf ihr Display starren und es gibt hier sehr viele Wlans – aber kein offenes. „Pssst, Wlan?“ fragt jemand. Reflexartig schütteln wir den Kopf, weil hier dauernd jemand was anbietet. Hm, das nächste Mal frage ich nach dem Preis.

Angefixt…

… wie in anderen Teilen der Welt.

Mit dem Bus zum Playa del Este. Bei Bewölkung gut auszuhalten. Enthusiastische Sportler aus aller Welt.

Angeschwemmt. – Paradies für Schnorchler und Taucher.

Nachmittags warmer Nieselregen.

Abends durch ein neues Viertel, wohnen hier Wohlhabendere?

Strassenszene.

 

3.2.
Früh aufstehen…

… scheint zur neuen Gewohnheit zu werden, meist ist noch im Dunkeln die erste Unternehmung angesagt. Wir versuchen Touren aus dem Buch „Havanna – ein Reisebegleiter“ abzulaufen und direkt vor Ort nach- und vorzulesen. Aber das klappt nicht, ich kann mich nicht konzentrieren, zu viel ist los und ich muss dauernd Fotos machen.

Sehr früher Morgen.

Teile der Innenstadt dienen dem Weltkulturerbe und den Touristen, wirken schick und leblos. Die früheren Bewohner wurden in Trabantenstädte umgesiedelt.

Daneben Zerfall und Abriss. Arbeitsbrigaden bei morgendlicher Besprechung, neue Rohre werden gelegt.

Besonders fröhlicher Kubaner.

Zwischen Festungsbollwerken und Fähre: Flugzeugtrümmer abgeschossener amerikanischer Flieger.

Das Che Guevara-Museum übrigens nicht zu empfehlen, uninformative kitschige Verherrlichung, teuer. Wir sind die einzigen Besucher, vier Museumsfrauen begleiten uns auf Schritt und Tritt.
Vor dem Übersetzen mit der schrottreifen Fähre weist jemand vom Militär mit blutunterlaufenden Augen uns an, die Taschen zur Kontrolle auf den Tisch zu stellen. Sein Kollege guckt kurz rein, lächelt mich fast entschuldigend an.

Strassenszene.

 

Kuba 1

2.2.
Planwirtschaft

In den staatlichen Supermarkt Unidad Comercial darf man nicht mit Rucksack oder grosser Tasche, deshalb steht am Eingang ein Aufpasser. Am Ausgang auch, dort wird anhand der Quittung kontrolliert, was man eingekauft hat. Vergleichbar mit elektronischen Prüfschranken bei uns. Man muss mit CUC bezahlen. Das heisst, Einheimische ohne die „Touristenwährung“ sind ausgeschlossen.
In den Regalen stehen an einheimischen Lebensmitteln meterweise Öl, Dosenmilch, Reis, einige Konserven, Trinkwasser in Plastikflaschen – aber unverständlicherweise auch Nestlé-Milchpulver. Die Bierauswahl ist gross, allerdings fehlt die Nationalmarke Kristall, der Käse, den man nach langem Warten an der Frischetheke bekommt, aus Holland und der Kaffee, den man nach langem Warten an der Wertvoll-Theke bekommt, aus Spanien. Bezahlen kann man auch mit Karte, das klappt nicht immer und dauert jedenfalls nochmal lange: Kassiererin und drei bis vier weitere dicht gedrängte Kräfte beobachten freudig palavernd, ob sich bei der Transaktion was bewegt, das kann von 10 Min. bis noch viel länger dauern. Danach Obst und Gemüse beim Strassenverkäufer. Hier zahlt man in CUP, wir sicher viel mehr als die Einheimischen, trotzdem ist es noch sehr preiswert.

An die hiesige Zeit passt man sich nach und nach an, heute kommen wir um 7 Uhr früh los. Durchs Chinesenviertel…

… die Sonne klettert höher.

Eine sehr lange Strasse immer geradeaus Richtung Malecón, durch schönen Park in wohlhabend wirkender Gegend, was wir am Zustand der Häuser ausmachen. Vor einem winzigen Büro sitzt eine alte Frau, die uns gern wissen lässt, dass sich hier eine Schauspieleragentur befindet. Um die Ecke dann das staatliche Fernsehen.

Nicht weit davon die prächtige Universität. Ein Sportlehrer – Lehrer verdienen sehr wenig – will uns herumführen, aber wir möchten allein entdecken. Im dritten Gebäude, der grossen Aula, ausgesprochen schön mit alten Gemälden und altem Holz, findet gerade eine Infoveranstaltung für angehende Studenten statt.

Bei der Uni bunt anzusehende Wohnhäuser in gutem Zustand. Die Bäume vielleicht Lorbeer?

Auffälliges Beförderungsmobil.

Schon fast am Malecón wird es richtig heiss. Dieser Wohnblock befindet sich in verschiedenen Erhaltungsstadien.

Schwimmbeckenruine nahe beim Meer. Wie konnte es hier, wo für Kinder und Jugendliche alles getan wird, dazu kommen?

Auf den Bussen steht nicht, wohin sie fahren, und der Fahrer sagt nur, wohin er nicht fährt. Wir steigen einfach ein, staatlich subventionierter Winzpreis, orten uns per GPS und Offlinemap und steigen nach Gefühl nochmal um. Schwülwarm, 27 Grad, morgen soll es noch heisser werden.

 

1.2.
Gelandet, noch nicht angekommen

Wegen Zeitverschiebung schon morgens halb sechs am Start für erste Erkundungstour in Havanna. Den Paseo de Prada entlang, noch dunkel, wenig Leute, eine auf dem Trottoir sitzende Frau bietet Kaffee an, der ist süss und schwarz, so mag ich ihn eigentlich nicht, aber es ist Kaffee. Dann taucht ein smarter junger Mann auf, parliert in gutem Englisch um uns rum, benennt die imposanten Gebäude, wirkt nicht unnett. Obwohl wir kein Interesse an seiner Zigarre haben, steckt er sie M. in die Tasche und gibt uns von einem Obsthändlerstand eine exotische Frucht. Zu aufdringlich, und klar will er Geld, er ist arm und talentiert im Umgarnen von Touris, wir sind welche, neu hier und freundlich gesinnt, das spürt er, und wir suchen Frühstück. Er bringt uns zu Fensterladen, vor dem Einheimische stehen, ordert wunschgemäss Omelett mit Tomaten, wir beginnen auf einer Treppe nahebei zu essen, es schmeckt gut. Da verlangt er 30 CUC (ca. 30 €) für alles. Nach kurzem Disput bekommt er 20 CUC. Belämmert kehren wir ihm den Rücken, ziehen davon in die Morgendämmerung.

Schon klebt uns wieder jemand an den Fersen, stundenlang und brav draussen wartend.

Langsam wird es hell.

Manches prächtige Haus gibt es nicht mehr.

Unten am Malecón die ehemals grösste Festungssicherung einer lateinamerikanischen Stadt. Hier war der Haupthafen der Spanier, die sich so beim Transport ihrer Beutezüge ins Heimatland gegen Engländer und Portugiesen absicherten. – Der Hund immer bei uns.

Die Stadt ist erwacht, Strassenverkäufer mit Brot unterwegs. In einem Haus lässt eine alte Frau von ganz oben einen Strick herunter, der Brotverkäufer bindet ein Tütchen dran, sie zieht ihre Frühstücksbrötchen hoch. Praktisch.

Das Einwechseln von Euros in CUP (kubanische Nationalwährung, ca. 1:25) in der Bank gestaltet sich langwierig, weil Identitätsdaten und Unterkunftsadresse doppelt vermerkt werden: erst Euro in CUC, dann an anderem Schalter anstellen für CUC in CUP. So viele kleine Scheine, dass sie nicht ins Portemonaie passen. Aber gut, sie zu haben.

Kinder machen sich auf zur Schule.

Blick in eine Grundschule.

Einer der unzählige Oldtimer, prächtige Farben haben die Autos, nicht nur grau-schwarz-dunkelblau wie bei uns.

Gemüsetransport. Viele Strassenstände.

Orangenschälmaschine, die halbierte Frucht saugt man direkt aus, gut!