La Habana

Die Küche mit gemauerter Kochstelle im übergrünten Patio, freundliche Servicekräfte bringen flink Kaffee und Spiegelei, mundgerechte exotische Fruchtstückchen und Ham und Cheese und Törtchen zum Frühstück. Ein kleiner knochiger Alter fegt langsam Verblühtes zusammen, der betagte Schäferhund des Hauses mit Hüftproblem sucht sich ein Schattenplätzchen, dezente Musicalsounds als Umrandung. Ich denke, ich bin im Disney-Trickfilm.

Verlässt man die traumhafte Unterkunft, knallt die volle Sonne auf geröllige Wege mit stinkenden Müllhalden vor ruinösen Villen, von denen die meisten bewohnt sind. Jemand knickt gesammelte Getränkedosen platt und stopft sie zurück in den Sack, hin und wieder scheucht ein im Schritttempo daherrumpelnder filmreifer Oldtimer die allgegenwärtigen Hühner auf. Hunde ohne Zahl, dem Aussehen nach Straßenköter, doch meistens gehören sie jemandem. Ausser sie kneifen einem ins Hosenbein, dann heißt es „no es mio“.

Steht man vor der Morgendämmerung auf mit ein bisschen moneta national in der Tasche und schlendert den Hügel zur Calzada del 10 de Octubre hinunter, stößt man direkt auf eine Hauptverkehrsader. In krass überfüllten Bussen hängen an den Haltegriffen schattenhafte Gestalten, die zur Arbeit gekarrt werden. Gleich um die Ecke eine Kaffeeverkäuferin mit Thermoskanne, ein Fingerhut voll stark und süß für 1 Peso nacional (ca 5 Cent), das leere Plastikbecherchen gibt man zurück, Nachhaltigkeit. Wieder in kleine Gassen, vorbei an Straßenfegern mit Schubkarren, zum nahegelegenen Park mit Hotspot, gute Verbindung um diese Tageszeit, weil noch kaum jemand surft.

Schon nach 7 Uhr? Auf in den hell gewordenen Morgen zum traumhaften Frühstück in Trickfilmland!

Kuba 10

25.-27.2.
Havanna

Obdachlos ist niemand, der Staat stellt jedem kostenlos Wohnraum zur Verfügung. Oder?

Vorm staatlichen Supermarkt steht ein Transporter, es wird säckeweise Reis geliefert. Auf einer Tafel ist mit Kreide geschrieben, wieviel Reis jeder zum Minimalpreis auf Bezugsschein bekommt. Ein Kubaner erklärt es uns.

Beim Platz der Revolution.

Im zentralen Busbahnhof.

Am Malecón.

Callejon de Hamel. Sonntag ist und Rumbamusik.

Voller Santeria-Symbole sollen die Bilder und Installationen stecken.

Man kann hier eigentlich unentwegt Fotos machen.

Zum Schluss doch noch was mit Magen und Darm. Vielleicht mehr psychisch. Geht auch schon wieder.
Am Flughafen Amsterdam Empfang mit vollstem Kommerz, iphone 7 usw… tatata! Heute als schrecklich empfunden, morgen schon wieder ganz normal. Und ich mache ja mit.

Kuba 5

13.2.
Nachhaltigkeit

Dachterrassenblick. Prima Frühstück. Viel Pferdegetrappel für Transporte aller Art.

Auf dem Nachbardach baut sich jemand einen Schattenspender aus leeren Getränkedosen. Nachhaltigkeit.

Einfach drauflosgehen Richtung Prado und den dann lang. Eine echte Shoppingmall führt ab und zum zentralen Platz. An dem steht das prächtige Teatro Tomás Terry.

Man kann es besichtigen.

Das Theatercafé.

Den Prado ganz nach Westen…

… und runter zum Wasser. Industrie, wie man sieht. Cienfuegos hat den grössten Zuckerexporthafen der Welt, Kubas grösste Zementfabrik und eine riesige Petroleumraffinerie.

Am Wasser scheinen die Ärmsten zu wohnen. Viel Müll am Ufer. Jemand schüttet Wasser über sein Pferd, das gleich zur Arbeit muss, die Droschke steht schon bereit.

Kürzester Weg von einem Strassenende zum anderen.

 

12.2.
Unterkunft finden

Wegen super Offlinemap (Gold wert!) und einwandfreiem GPS finden wir in Cienfuegos schnell die erste Unterkunftsempfehlung aus dem Reiseführer und kommen tatsächlich dort unter. Die nette mollige Wirtin hat ein Zimmer zur Calle 39, Dachterrassenmitbenutzung, auf Wunsch Frühstück und Abendessen, was will man mehr.

Der erste Erkundungsgang führt am Paseo del Prado entlang (ob jede kubanische Stadt einen hat?) Richtung Punta Gorda.

Dort befindet sich die Discomeile der Stadt, nachmittags schon sehr laute Musik. Ein paar schöne alte Villen an der Bucht. Viel exotische Vegetation, was mag z.B. das hier für ein Baum sein?

Zurück über Seitenstrassen. Morgen genauere Erkundung!

Wenn der staatliche Telefonkiosk Etecsa nicht aufmacht, sind keine Internetkarten gekommen.

 

12.2.
Autopista Nacional

Mit Mietauto bisschen mehr von Kuba erforschen. Chinesisches Modell Geely, Radio und CD-Player sind zwar unbenutzbar und im Handschuhfach, wo sonst das Manual liegt, nur gähnende Leere, aber das Auto fährt, und das ist es ja wohl, was man möchte. Tagesziel: Cienfuegos, ca. 300 km von Havanna, mittlere Südküste. Die Autopista mit zwei Spuren pro Richtung fährt sich ganz gemütlich. Allerdings können unvermutet Schlaglöcher auftauchen…

… verschiedenste Gefährte sind unterwegs, hin und wieder auch in Gegenrichtung, Hunde, Hühner und Fussgänger kreuzen, jemand pinkelt auf die Fahrbahn. Öfter mal qualmt es, kontrollierte Brandrodungen, die Feuerwehr passt auf.

 

11.2.
Kultur in der Basilica

Zenaida Romeu, die einzige Dirigentin Kubas, spielt mit rein weiblichem Streichorchester Werke von Mendelssohn, Sibelius und Franz Schubert. Ganz klassisch. Ich versuche mir dazu Kubaner mit „Musik im Blut“ beim Ausdruckstanz vorzustellen.

 

10.2.
Havannas Paseo del Prado und Malecón

Die Prachtallee Paseo del Prado ist von ebenfalls prächtigen Häusern gesäumt… oder dem, was davon übrig ist.

Kinder sausen bis spät in die Nacht herum, flitzen und flirren, spielen Fussball, fechten mit Stöcken usw. Ich habe während der 4 Wochen auf Kuba nie erlebt, dass mir eins auf die Nerven ging.

Leben im Fluss.

Blaue Stunde am Malecón.

Lichtveränderung.

Santerías vor Brandung.

Strasse beim Prado.

Nachts ist selbst das Zentrum nur wenig beleuchtet, Leute mit schlechten Augen wie ich müssen ziemlich auf kaputte Gehwegplatten, Bodenschwellen, plötzlich auftauchende Löcher oder gar aufgerissene Strassenteile achten, da is nix extra abgesichert. Weil man aber schnell darauf eingestellt ist, klappt das ganz gut.

Kuba 4

10.2.
Nur ein Held geht aufs Feld…

… steht auf dem T-Shirt eines Jungen, der mit seinen Eltern in den überfüllten Bus Richtung Zentrum steigt, und darunter: Landwirt. Erwartungsfroh klammert sich die Familie an Haltegriffe, während daneben einige Einheimische im Stehen schlafen.
An einer Bushaltestelle bietet jemand Erdnüsse in zusammengerollten Papierhülsen an. Ich halte einen 3 CUP-Schein (Moneta National, ca. 12 Cent) aus dem Fenster und kriege dafür 3x Erdnüsse. Schön salzig, prima bei der Hitze.

Am Strand sehr windig.

Von der Brandung in Form gebracht.

 

9.2.
Auf dem Trockenen

Sehr heiss. Kein Leitungswasser. Der Tank auf dem Dach soll leer sein. Es wird was getan: Rohr führt durch offene Haustür, seit Stunden Geklopfe und Gehämmere. Man klebt lethargisch vor sich hin und muss wohl klebrig essen gehen.

Morgens zu Fuss Richtung Süden. Abseits der grossen Strassen eine Reihe einstöckiger Häuserblocks.

Da muss man genauer hingucken, ein Studebaker. Ich weiss gar nicht, woher ich als Automobilignorantin das Wort überhaupt kenne, wohl aus alten amerikanischen Filmen. Die vielen nach der Revolution zurückgelassenen Amischlitten scheinen hier immer noch in besten Händen zu sein, inzwischen oft wohl nicht mehr aus Not wie die Jahrzehnte zuvor, sondern als touristische Einnahmequelle.

Nach langen staubigheissen Wegen plötzlich eine alte Stadt(?)mauer mit daran entlangführendem dicken Rohr und niedriger Untertunnelung. Vielleicht rekonstruiere ich mal, wo ungefähr das war und warum … vielleicht aber auch nicht.

Eine vielspurige stark befahrene Schnellstrasse dahinschleichen bei erbarmungslos knallender Sonne bis zu einem weithin sichtbaren aber verschlossenen Stadion. Jawoll, das haben wir uns erlaufen! Muss aber nicht nochmal sein. Bus ins Zentrum.

In der Nähe vom zentralen Busbahnhof Suche nach Kabeln, Altmetall und wer weiss was sonst noch. Jährlich sollen ca. 1000 Häuser in Havanna einstürzen, so steht es in einem Reiseführer – das wären also mehrere pro Tag.

Nach der Tageshitze ist es immer am schönsten.

Obst und Gemüse bekommt man auf der Strasse und in Markthallen. Manchmal sind nur noch mickrige Reste zu finden.

Man kann in Moneta national zahlen, und obwohl uns sicher viel mehr abgeknöpft wird als den Einheimischen, ist es immer noch sehr billig.

 

 

Kuba 3

8.2.
Banken

Metropolitano, Nacional, Banco Central de Cuba, Banco Popular de Cuba usw., erstaunlich viele verschiedene Geldinstitute für ein nicht kapitalistisch orientiertes Land. Und die nehmen es vom lebendigen Touristen, nämlich ca. 4% Gebühr. Ob dieses Geld dem Volk zugute kommt?
Ein in Schweden lebender alter Asiate hat Redebedarf. Er ist schon zum 6. Mal hier und sprudelt drauflos: die Anzahl der Oldtimer nehme rapide ab, weil preisgünstige chinesische und osteuropäische Autos eingeführt werden. Dafür nehme die Anzahl privater Unterkünfte für Touristen rapide zu, seit das staatlicherseits erlaubt ist. Wer Casas particulares anbiete, müsse einen erheblichen Teil der Einnahmen an den Staat abführen und obendrein einen Fixbetrag pro Monat unabhängig von der Belegung.

Auf der Suche nach neuem Strand auf einen mit korallenartig(?) harter Struktur gestossen. M. murrt: kein Sand, zu starke Brandung.

Kaktus- statt Koniferenhecke.

Feuchttropisch.

Strassenszene mit weissgekleideter Santería-Anhängerin.

Mönchinstallation.

 

6.2.
Laufen

Ganz Havanna wirkt ja wie ein riesiges Oldtimer-Freiluftmuseum. Könnte man Gerüche fürs Museum konservieren, dann unbedingt auch die ungefilterten Abgase dieser Vehikel, so was riecht man sonst bei uns gar nicht mehr.

Am frühen Morgen immer nach Westen, Richtung Nekropolis.

Imposanter alter Buick.

Bei dem Gebäude der Heiligen Teresa…

… könnte es sich um ein Krankenhaus oder Pflegeheim handeln. Weissbekitteltes Personal, ernste Gesichter…

… und sehr ausdrucksstarke Holzschnitzerei hinter Glas.

Der Friedhof entpuppt sich als riesiges eintöniges und gesichtsloses Grabplattenmeer.

Dafür öffnet sich noch etwas weiter westlich der Blick auf den Rio Almendares. Die Krokodile wollen gerade nicht auftauchen.

Ganz schön viel gelaufen für einen Tag. Abends obendrein noch zum Malecón, um den vielfach beschriebenen schönen Promenadenabschnitt zu finden. Nada – oder uns fehlt der Blick dafür.

Dafür setzt plötzlich Sturzregen ein, zum Glück direkt vor einer Bar, freundliches Reinwinken – da gönnt man sich doch zum Abschluss des Abends einen Mojito. 1/2 Liter! Schmeckt prima, hicks…