Ohne Sonnenstunden

Man hat sich daran gewöhnt,  Weihnachten in Elterns Seniorenresidenz zu verbringen, es war nun schon das vierte Mal. Kriegserinnerungen, aktuelle Politik, der kleine Lord, am Schal häkeln. Das weihnachtliche Geflöte macht mir mit fortgeschrittenem Alter erstaunlicherweise immer mehr Spass. Textlich sinnfrei, akkustisch schräg, aber gemeinsames Selbermach und Tradition wie die Teppichstolperarie zu Silvester. Über Mutter lieber schweigen.

Bewegung war auch genug und schlechtes Wetter gibt es ja nicht. Durch Rinnsale im Ith hüpfen und rutschen, Härtetest für uns und die Drohne.

Rund ums Kieswerk laufen…

… und bei stürmischen Winden auf dem Ruhbrink.

Gegessen wurde oft im Spiegelsaal der Residenz, ganz ok, doch wenig Frischkost außer konservativem Petersiliendekor. Hier gesättigte Senioren.

Weihnachtsnachtrag

Zwei Tage Altenheim. Viel schlecht Wetter, deshalb viel im Wohnzimmerchen der Eltern. Sopranblockflöte mit Vater zweistimmig, er kann es noch, aber hat nicht mehr den vollen Atem. Bild: Weihnachtsfeier im Spiegelsaal.

Unterkunft bei Spidersusie und Mathias. Gastfreundlichst. Gartendetail.

Einsamer Spaziergang zum Breiten Busch.

Zweisamer Spaziergang zu Burgruinenzinnen.


Doch noch zu diesjährigem Lebenszeichen aufgerafft. Diese Wochen wie schwache Betäubung. Guten Rutsch mir selbst.

Voll

Elternbesuch. Weihnachtsfeier im Spiegelsaal der Seniorenresidenz. Wegen Überfüllung Plazierung an Tisch in angrenzender Halle mit gleichzeitigem Blick auf Fütterung der Dementen. Letztes Jahr war mir beim Anblick der versammelten Gebrechlichen noch beklommen zumute. Aber man gewöhnt sich schnell. M. sagt, er will da auch bald einziehen.

Stilleben im kleinen Elternappartement. Man denkt noch öfter an das geräumige Haus zurück, das inzwischen verkauft.
Auf dem Couchtisch auch eine Blockflöte. Tatsächlich wird wie früher Hausmusik gemacht – Akkordeon, Gitarre, Flöte. Als ihr Enkel auf irgendwas den Rhythmus schlägt, protestiert meine Mutter, dann will sie Klingglöckchenklingeling. Sie ist das fordernde Publikum.

Ein schöner langer Spaziergang zwischen Mittag und Kaffeekuchen, während die Eltern schlafen.
Jetzt froh, wieder zu Hause zu sein. Immer wieder an die Ausraster der Mutter denken müssen. Mit dem Sohn darüber reden, der sagt, er hätte Oma noch nie so schreien hören. Ich schon, aber das war vor seiner Zeit.

Wachhunde, Feier und Senioren

An der Ostsee jammerten alle übers Wetter, nachts bis 6ºC runter.

Es wurde eine Silberhochzeit gefeiert und sich Gedanken darüber gemacht, wie man sich so im Vergleich mit anderen gehalten hat.

Besuch am Ende der Welt mit Swimmingpool.

Anschliessend ins Weserbergland zu den Eltern. Die haben inzwischen ihr Haus verkauft, weshalb wir bei meiner alten Freundin Unterkunft hatten. Die Wachhunde dort erfüllten ihre Pflicht vorbildlich. Und sie bissen nicht. Frühstück mit Blick auf Garten, abends Blutwurzschnaps, Mädchenbier und Dracula.
Im nahen Seniorendomizil traf sich die Großfamilie. Schön, Neffen und Nichte wiederzusehen. Kein Schwesternstreit diesmal. An einem Abend kam es dazu, dass der Vater die gesamte Glocke von Schiller vorlas, und weil der alte Lehrer dabei so gut in Schwung kam, brachte er sie trotz allgemeiner Abschlaffung bis zum Ende.

M. hält einfach drauf.

Die einsame kranke Tante in Hannover wurde auch noch besucht. Sie will unbedingt in ihrer Wohnung bleiben. Inzwischen wurde allgemein aufgegeben, über Alternativen mit ihr zu sprechen.

Wenn man dann nach einer heissen Woche zurück kommt, ist die Ernte gross.

Meines Vaters Geige

Soll repariert werden, er möchte wieder drauf spielen.

Nach aussen wirkt er mit seinen 86 Jahren immer noch ordentlich, repräsentabel nach alter Schule, der Lehrer im Ruhestand. Aber jetzt wird das Haus entrümpelt, damit es ordentlich zum Verkauf angeboten werden kann. Und ganz tief unten im Keller, im Arbeitszimmer des Vaters, da sieht es sehrsehr chaotisch aus.