Speisen der Welt

Auf der Grünen Woche mit Sohn. Augenblicklich wie erschlagen von den schier unendlichen Fressmeilen. Sohn kriegt sofort Lust, was zu trinken und holt sich vom USA-Getränkestand Arizona-Wassermelonendrink.

Nicht so mein Ding.

Bin plötzlich grundsätzlich gegen US-Getränke, deshalb sind doch die Amis alle so dick, oder? ODER? Tatsächlich steh ich dann länger dumpf beim Granatapfelwein rum, aber weil es den nur halbtrocken gibt, kann ich mich zum Glück bremsen. Zusammen füllen wir bei den Briten eine Tüte mit ordentlich Fudge, irgendwo kriege ich einen Schafskäse aufgeschwatzt, auf dem weder Herkunftsland noch Gewicht noch Haltbarkeit steht… aber schmeckt immerhin. In der Osteuropahalle dominiert die Ukraine mit dicken tanzenden Frauen zu sehr lauten slavischen Schnulzen. Endlich runter zu den interessanten Hallen – Gewächshäuser, Saatgut, Vebraucherinfos. Der 4 Stationen-Test des Max Rubner-Instituts (gesundheitlicher Verbraucherschutz im Ernährungsbereich) macht Spass: Lebensmittel nach der meisten Energie ordnen. Fett ist energiereicher als Zucker, lerne ich, und dass man unterschiedlichen Fettgehalt in Quarks nicht rausschmecken kann, aber sofort merkt, wenn einer gesüsst ist. Zum Schluss 4 Min. Fahrradfahren, ich strampele mir gerade so den Kaloriengehalt einer Gurke ab. Meinen BMI kriege ich auch noch mitgeteilt, mit 21,6 voll im Normalgewicht, allerdings fürchte ich, eher Apfel- als Birnentyp zu sein… vielleicht aber Quatsch. Als wir irgendwann schon sehr erschöpft sind, kommen wir noch am Stand mit uckermärkischem Käseeis vorbei, das Geschmackserlebnis des Pröbchens hält sich aber in Grenzen.

Genauso wie die ganze Messe nicht wirklich zu geniessen ist, ausser man trinkt schon früh Wodka, aber der hätte mich platt gemacht. Ich sollte erst wieder hingehen, wenn ich diesen Bericht vergessen habe.

Vor Einfahrt Halt

Der Naturpark Schöneberger Südgelände ist neu lackiert: die Dampflokomotive glänzt tiefschwarz, eine monströse Raupe auf knallroten Rädern, unbestimmbare geheimnisvolle Geräte stehen im Werkhof, gestaltete Objekte schweben darüber. In einer frischorangefarbigen Lore schwimmt ein Zementfisch. Etwas entfernt die riesige Drehscheibe mit Gleisen, wo die Waggons gewartet wurden.

Hier war früher ein Güterbahnhof. Seit den 1950er Jahren wird er nicht mehr genutzt, die Natur hat sich wieder ausgebreitet und vor ein paar Jahren gab die Bahn ihn für die Öffentlichkeit frei.

An diesem sonnigen Wintertag hat die Szenerie etwas Kulissenhaftes, wirkt wie aus „Myst“, dem Computerspiel, in dem man im Gelände weiter kommt, wenn man es durch pure Logik geschafft hat, die richtigen Hebel und Knöpfe zu drücken.

Unter besprühten Brückenresten betritt man das Gelände.

Graffiti an Ruinen.

Die alte Werkhalle.

Schwebendes Objekt im Hof.

Hinten ein denkmalsgeschützter Wasserturm, in dem die Turmfalken brüten.

Mehrere Kästen voll mit schweren rostigen Schrauben stehen auf dem Kopfsteinpflaster. Eine davon steht jetzt auf meinem Schreibtisch.

Durch ein Rohr gelangt man auf vorgeschriebenen Wegen ins Schienenwirrwarr.

Wovon man zu dieser Jahreszeit nichts sieht – zwischen den Geleisen haben sich für städtische Verhältnisse seltene Tiere und Pflanzen wieder angesiedelt.

Nach den Birken vergehen noch Jahre, bevor die Laubbäume kommen (habe ich mir gemerkt).

Hier ist Graffiti ausdrücklich erlaubt.

Von der Infotafel abgefotot: als der Güterbahnhof noch in vollem Betrieb war.

Kostümfundus Adlershof

Die Treppen runter zu einer unscheinbaren Kellertür zwischen dicken Rohren, um zwei Ecken rum ein paar Puppen in historischen Klamotten, noch eine Tür und dann – ein unüberschaubar riesiger Keller, labyrinthische Gänge, Regale bis unter die Decke voller Requisiten, Kostümen, Dekorationen, jetzt erst mal Punkt und Luftholen.
Es ist wirklich atemberaubend, was sich da in Jahrzehnten aus Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen angesammelt hat. Ich wurde angesaugt von all den Gegenständen vergangener Epochen, ich verlor mich in den Gängen und Manfred meinte, er dachte schon, irgendwas hätte mich verschluckt und zu einem Teil dieser Sammlung werden lassen.

Ein Heiliger für meine Sammlung.

Die Fleischabteilung.

Ritter, Rosen und Skelette:

Hält sich länger im kühlen Keller.

Herr Fuchs und Frau Elster

Auf der anderen Seite der S-Bahn-Brücke.

In der Schlange

Schlangenbader Str., im Hochhaus über der Autobahn, ganz oben. Hier liegt uns die Stadt, der Moloch, rundum zu Füssen. Ich mache mir nicht so viel aus Ausblicken wie mein Begleiter, der am liebsten gleich herziehen würde.

Täglich die ganze Stadt vor Augen, das ist mir zu viel, ey, da komm ich gar nicht mehr zu mir. Kein stiller versteckter Raum (außer das dunkle Klo, wo die Flugzeuglüftung angeht, wenn man Licht anmacht), alles einsehbar. Und direkt darunter fliesst die Stadtautobahn, Horror.
Schon beeindruckend, was sich die Stadtplaner ausgedacht haben, aber überhaupt nix für mich.