Russische Garnisonsstadt bei Vogelsang

Der verlassene zerbröckelnde Ort wirkt ungeheuer anziehend. Wegen des Abenteuercharakters auf dem verbotenen Militärgelände, der Ausstrahlung alter Zeiten, die man noch zu spüren scheint und die viele Fragen nach dem Leben der vergangenen kasernierten Welt aufwerfen, in erster Linie aber wegen der massenhaft vorhandenen bizarren Motive von Verfall und Preisgabe.
Zum dritten Mal in diesem Sommer gestern dort. Noch immer nicht alles durchforstet, am wenigsten die Militäranlagen, immerhin inzwischen grosse Teile der Stadt. Etwas Zeit bleibt noch zum Entdecken, die Abrissbagger machen langsam alles platt.
Das Finden der Stadt wurde hier Anfang Juli schon beschrieben. Die Fotos der letzten beiden Besuche sind zusammengefasst, zuerst der von gestern: am stillgelegt wirkenden Bahnhof von Vogelsang geparkt, Regen, also längere Zeit im Auto voll Entdeckerdrang und möhrchenknabbernd abgewartet.


Über die Gleise am gesperrten Bahnübergang auf die lange schnurgerade Strasse durch den sumpfigen Wald zur Stadt.


Komplett extra ummauertes Gelände, auf dem neben grossem Haus mit Pavillon und einer Reihe Schuppen sogar ein kleines Schwimmbad mit Sauna zu finden ist. Links unten im Bild ein Hydrant(?), eine Gasmaske ist es trotz der Ähnlichkeit jedenfalls nicht.


Zwischen den Wohnblocks. Um wieviel Grad müssen die Räder gedreht werden, damit sich eine weitere Welt öffnet?


Offiziell wirkendes Gebäude mit zwei Treppenaufgängen, die auf Zwischenraum mit holzgetäfelter Decke treffen.


Zweiräumiges sehr verfallenes Häuschen am Hauptweg.


Mehr davon.


Der Häuschenrest von der anderen Seite, rechts zwei grosse metallene Tanks(?).


Technische Anlagen in der Mitte eines langgestreckten niedrigen Gebäudes.


Um die Ecke der Eingang zu einer Halle mit vielen kleineren durchweg gekachelten Räumen dahinter, offenbar ein Schwimmbad, die Bassins fehlten allerdings.


Detail in der Halle.


Skelett eines Denkmals, leider schon abgebaut, vor bereits wieder dramatisch verdunkeltem Himmel.


Weiteres ummauertes Gebiet mit Wachturm.

Sieben Stunden unentwegt auf den Beinen, oft durch Gestrüpp und Brennesseln, dann Treppen hoch und runter, hin und her, den Finger immer am Auslöser der Kamera, kurz hingesetzt wegen Nahrungsaufnahme, aber gleich wieder rastlos getrieben hoch und weiter, überall wartet was, erst nachher im Auto gespürt, wie k.o. ich war.

Zweiter Besuch 4 Wochen vorher, an der Försterei vorbei zum Militärgelände, allerdings waren die Abrissbagger ganz in der Nähe am Werk, so dass wir dort fast nichts erforschen konnten.


Ein Bunker. Unheimlich war es auf diesem Gelände mit den nur halb aus dem Boden ragenden Gebäuden. Hier irgendwo ist auch die Abschussrampe der nuklearen Mittelstreckenraketen zu finden.


Garnisonsgebäude auf dem militärischen Teil.


Teil der zahlreichen Sanitäranlagen für die Soldaten.


Kantinenhalle für die Soldaten, links hinten Durchreiche zur Küche. Auch hier beklemmendes Gefühl, als ob Drill und Angst vergangener Zeiten noch an den Wänden klebten.


Küche: Herde mit Dunstabzug.


Garnisonsgebäude, Fensterdetail.


Fort aus dem militärischen Sperrgebiet, einen langen Weg geradeaus bis zu einem Sportgelände(?). Auf der Tafel vermutlich Verhaltensregeln.


Daneben ein grosser zweistöckiger Bau aus den 1960ern. Auf der halben Treppe die Innereien eines alten Flügels.


Überraschung im 2. Stock – grosser Klubraum mit sozialistischer Wandmalerei.


Von hier Ausblick über Treibhäuser.


Und ein paar Häuser weiter die verfallenen Überreste einer Wäscherei, im Nebenraum Mangeln.

Noch längst haben wir nicht alles gefunden.

2 Gedanken zu „Russische Garnisonsstadt bei Vogelsang

  1. Ich finde es schlimm, dass man hierzulande fast immer alles abreisst, anstatt es der Natur zu überlassen. Am Ende Ende stellt man dann möglicherweise eine Erinnerungstafel auf, die die Gäste achselzuckend zur Kenntnis nehmen.

    Hier gibt’s das auch. Man sieht die Tafel, sonst nix. Echt „tolle “ Geschichtsbewältigung!

    Etwas differenzierter sollte man das natürlich sehen, wenn es um Industrieflächenrecycling in den Cities geht.

  2. REPLY:
    Stehengelassene Ruinen zeugen u.a. von Armut des Landes – ich glaube, so sehen das viele. Und bei Unfällen haftet der Besitzer.
    Überhaupt schade, dass man die Stadt dem Verfall überlassen hat. Wegen der abgelegenen Lage und dem bevölkerungsarmen Bundesland zwar verständlich, jedoch könnte wenigstens ein kleiner Teil stehengelassen und als „Kalter Kriegs-Museum“ oder für andere Zwecke deklariert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.