Paderborn

Um 10 Uhr früh zieht die Prozession am Schlafzimmer vorbei, abwechselnd liturgische Gesänge und Blaskapelle, klingt eigentlich ganz schön. Direkt an der Ecke vorm Haus dann dies, es hält sich den ganzen Tag:

Rosenkreuz aus echten Blüten in wässriger Flüssigkeit festgeklebt.

Auch sonst ist hier alles mächtig katholisch geprägt, 60 Kirchen, Läden mit Devotionalien, die Glocken läuten heute viel und laut, oder kommt es nur mir so vor? Marias Empfängnis wird gefeiert, mutmassen wir.

Katholikenshop mit Räuchermännchen.

Eine Stadt mit wenig Strassenbäumen. In der Fussgängerzone beim Eiscafé stehen vier, quadratisch zurechtgeschnittener Schopf, der Fuss einbetoniert mit kleinen Luftlöchern. Eine nüchterne ordentliche Stadt, größtenteils Nachkriegsbauten. Man gab sich Mühe, den Wiederaufbau zu dokumentieren, Fototafeln zeigen Gebäude vorm Krieg und zerbombt: schaut, das wurde uns angetan und schaut, so haben wir es wieder hergerichtet. Die Betonklotzigkeit wirkt deprimierend.

Paderborner Gullideckel mit drei Hasen und drei Ohren.

Im Museum der Bericht über die Hinrichtung eines Bürgermeisters, Abschreckung für Symphatisanten der Reformation.

Vom Chronisten detailiert festgehalten.

2 Gedanken zu „Paderborn

  1. Du hast dort etwas typisches erlebt. So kenne ich das auch vom Sauerland, wo ich her komme (Winterberg) und den kleinen Dörfern. Das Kreuz in der Küche und dem Schlafzimmer hat heutzutage allerdings nicht mehr jeder. 😉 Man ist halt katholisch dort, das ist so, das war immer so (gibt es etwas anderes?!), lebt seinen Glauben aktiv (oje) oder tut so (ojeoje), auf jeden Fall mit jeder Menge emotionalem Zeigefingerdrohen und tief verwurzelten (veralteten) Moralvorstellungen. Ich bin froh, dem halbkatholischen Geschwätz und den vielen Verboten und Tabus endlich den Rücken gekehrt zu haben.

    Haleluja.

  2. REPLY:
    Marias Empfängnis war es angeblich nicht, die soll erst Anfang Dezember stattgefunden haben.
    Mir als norddeutscher Evangelischen sind diese Riten sehr fremd. Aber sie stärken vermutlich die Gemeinschaft.
    Amen.

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