Oder frei

Am Hauptbahnhof ist Schluss mit Zugverkehr nach Norden. Ohne dass man es wusste. Ab Gesundbrunnen geht es erst weiter. Wie eine Ameise, deren Weg unterbrochen ist, laufe ich hin und her, keine Gleisangabe stimmt, andere Reisende suchen geradezu verzweifelt eine Verbindung nach Gesundbrunnen, es gibt keine, den Zug habe ich eh verpasst, nehme schliesslich den Weg über Friedrichstrasse und bin eine Stunde später hier. Ärgerlich, dass die DB es nicht für nötig hält, ihre Kunden zu informieren.

Schwüle Hitze, als ich aus dem Bus steige. Eine alte Nachbarin radelt mir mit hochrotem Kopf entgegen und verkündet stolz, sie komme gerade vom Polenmarkt, jeden Mittwoch fahre sie mit dem Rad dorthin, Kaffee trinken und ein bisschen was kaufen, heute hat sie eine Rose dabei.

Im Garten blüht es schön, die Tomaten sehen allerdings noch mickrig aus und an den ultrascharfen Habanerochilis hat irgendwas gefressen, natürlich an den zarten Triebspitzen.


Neben der Scheune Lupine, die Pionierpflanze, verbreitet sich hier gern, als Leguminose trägt sie durch die Stickstoffknöllchen an den Wurzeln zur Bodenfruchtbarkeit bei.

Man darf wieder bis zur Oder und gegen Abend mach ich das auch. Kein Lüftchen weht, es riecht nach Meer, und wie ein Meer so gross sieht er aus, der Fluss, dessen Überläufer am Deich träge dahinfliessen.

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