Lost Places

Trotz der Hitze feste Schuhe und lange Hose, Taschenlampe, Messer und Proviant im Rucksack, so gerüstet treten wir die Wanderung durch den Wald bei Vogelsang an. Eine verlassene russische Militärstadt soll hier irgendwo sein mit früher bis zu 20.000 Militärangehörigen, die 1993 sämtlich abzogen. Wir haben erfahren, dass Teile dieser Stadt bereits abgerissen wurden, aber vieles noch steht. Aber wo? Die Infotafel in Vogelsang gibt keine Auskunft, ein Anruf bei der darauf angegebenen Nummer nur insoweit, dass „das nicht so einfach ist, der Bürgermeister müsste mit dem Schlüssel kommen.“ So so, vielleicht aber auch verständlich, dass nicht jeder dort hin soll. Mit Hilfe der Smartphoneortung machen wir uns auf den Weg.


Durch Nadelwälder und Feuchtauen geht die Wanderung.


Teils sumpfiges Dickicht mit Fingerhut und natürlich Mücken.

Nach ca. 6 km endlich ein begehbarer Weg, hinter Stacheldraht schimmern verfallene Gebäude durch die Bäume und ein Loch im Zaun ist schnell gefunden.


Kyrillische Zeichen in der Baumrinde, wir sind auf dem richtigen Weg.


Verfallene Lagerhalle.


Ein heute mit Grundwasser gefülltes Bassin – war vielleicht für Reparatur der Panzer gedacht?

Eine ganze Reihe dieser Hallen, Werkstätten, Kasernen laufen wir ab, in einer liegt eine russische Quittung von 1977. Dann noch Reste von Bahngleisen, die zu einer Rampe führen – aber wo ist die Stadt?


Freigelegte alte Rohrtrassen kreuzen den Weg. Anhand grosser Laubbäume, die in regelmässigen Abständen wachsen, versuchen wir eine frühere Strasse zu erahnen


Russischer Müll – nicht wenig davon liegt zwischen den Bäumen.

Aus der Kasernenwildnis hinaus und direkt auf drei Forstarbeiter zu. Die gucken erst bedenklich, der seltene Seeadler brütet nämlich in der Gegend und den soll man nicht stören. Dann zeigen sie uns aber nett den Weg zur Stadt im Wald, das sind nochmal ca. 3 km. Und tatsächlich – wir finden sie, da schimmert sie, wieder von Stacheldraht umgeben. Wir treten durchs offene Tor, mit Schutt beladene Lastwagen brausen in Höchstgeschwindigkeit vorbei, schnell verziehen wir uns auf einen Seitenweg.


Hier ist noch nichts abgerissen – alte Mülltonnen vor grossem Gebäude.

Weiter auf Wegen mit umgestürzten Baumriesen.


„Café“ steht in kyrillischen Lettern über der Tür.


Offiziell aussehend.


Fast einladend ist die Tür geöffnet, natürlich treten wir ein.


Eine lichtdurchflutete Halle, es scheint ein ehemaliges Schulgebäude zu sein.


Sozialistische Wandmalerei.


Gleich neben der Schule dieses Astronauten?-Denkmal.


Von aussen eher unscheinbar…


… entpuppt sich dieses Haus als Sporthalle. Ein Paar genagelte Schuhe mit kyrillischer Schrift, ein Banner mit der Aufschrift „Leningrad“ und ein leeres Protokollblatt finden wir auch noch.


Ofenöffnung in der Sporthalle.


An der Hauptstrasse die Wohnhäuser.

Es gäbe noch viel mehr zu sehen, Krankenhaus, Bunker, vor allem die Abschussrampen für nukleare Mittelstreckenraketen, die kurzzeitig hier stationiert waren, aber leider haben wir zu viel Zeit mit der Suche nach der Stadt verbracht und uns verlassen aufgrund fehlender Getränke jetzt die Kräfte. Wir müssen unbedingt nochmal wiederkommen.

Ein Gedanke zu „Lost Places

  1. Ich wünschte, hier gäbe es auch mehr solcher „Spukorte“.

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