Grabgedanken

Meiner Mutter bereitet es Kummer, dass später niemand ihr Grab pflegen wird, weil ihre drei Töchter weit verstreut leben. Obwohl ich ihr versichere, wir würden uns um eine gute Grabpflege kümmern, steigert sie sich gern in immer größere Rührseligkeit, die in dem verzweifelten Ausbruch gipfelt, sie möchte nicht in einem vernachlässigten und deshalb sozusagen vergessenen Grab liegen.

Ich besuche gern Friedhöfe, aber habe nicht den rechten Sinn für Grabkultur, für ein Häufchen Asche oder für möglicherweise aus Gewebespendegründen entbeinte Hüllen (hochinteressante Hör-Doku über Verarbeitung und Verwendung von Leichenteilen gestern im Zug gehört, aber das ist wieder was ganz anderes).

Für die Aura, die letzte Ruhestätten umgibt, bin ich sehr empfänglich. Aber diejenigen, die ich nicht vergesse, sind doch bei mir auch ohne Grabgehacke. Manchmal bilde ich mir sogar ein, ganz fassbar – etwa als Marienkäfer im Winter im Wohnzimmer… und ist das wirklich nur zurechtgebogener Quatsch?

Jedenfalls machten wir Weihnachten einen Spaziergang zum Friedhof.

Alter auffälliger Grabstein.

Am Eingang.

Und der zugefrorene Burggraben.

Ein Gedanke zu „Grabgedanken

  1. Ich weiss auch nicht – mir geht’s wohl so ähnlich wie dir. Kein Sinn für Grabpflege. Wann war ich zuletzt am Grab meiner Mutter? Vor 6 Monaten? Ich muss es nicht pflegen, das macht mein Vater, aber es ist mir auch relativ egal wie es dort aussieht – hat nix mit meiner Mutter zu tun oder dem Verhältnis zu ihr. Ich liebe einfach die alten „ungepflegten“ Gräber und das „Unkraut“ – es macht die Orte natürlicher und gleichzeitig mystischer.

    Das oberste Bild zeigt jedenfalls Friedhof, wie ich ihn mir vorstelle.

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