Die Zukunft des Geldes

Echtes Geld wird es gar nicht mehr geben, sagt der Mann an der elektronischen Rechenmaschine, der glaube ich von der Teleplomm eingesetzt wurde. Jedenfalls sind überall im Raum diskret deren Logos verstreut. Es ist die Lange Nacht der Wissenschaften und wir befinden uns in der TU, ganz oben im Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz. Eigentlich wollten wir den Roboter arbeiten sehen, wir dachten an Staubsaugen, Eierkochen usw. – aber der scheint müde zu sein und kann nicht in Betrieb gesetzt werden.
Statt echtem Geld brauchen wir nur noch unser Handy, erklärt der Mann weiter, es wird in eine Kontaktschale gelegt – und schwupp hat man zum Beispiel sein Mittagessen in der Kantine bezahlt. Kreditkarten werden auch überflüssig, das Handy wird zum Portemonnaie schlechthin. Und wer ein bisschen Geld verleihen will, gibt die Summe in sein Handy ein, reibt es dann einfach an dem desjenigen, der gerade knapp bei Kasse ist – und schwupp ist das eigene Geld rübergeflossen.
Wir sind beeindruckt und altmodisch skeptisch. Die Fragen, die in mein Gehirn purzeln, sind erst eher nebensächlich, steigern sich dann allmählich. Soll das gute alte echte Hartgeld, die knisternden Euroscheinchen, soll das alles gar nicht mehr wahr sein? Wie viele Leute in den staatlichen Gelddruckereien verlieren dann wieder ihren Job? Wieviel mehr Missbrauch kann mit einem geklauten Handy getrieben werden als mit einem geklauten Portemonnaie? Wie ist es bei alten Leuten, die nicht mehr gut sehen, werden die hemmungslos geschröpft? Ausserdem: was, wenn irgendwann das alles nur noch Elektroschrott ist, weil die nötige Energie gar nicht mehr aufgebracht werden kann? Ganz zu schweigen von dem absolut durchsichtigen Menschen, der in keinem Bereich seines Lebens mehr eine Chance hat, unerkannt zu bleiben. Wahrscheinlich ist das aber sowieso schon so.

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