Camagüey

Der Vermieter in Camagüey ist Informatiker, ausgesprochen mitteilsam und kann in bestem Englisch und mit dramatischer Gestik und Mimik erzählen. Zum Beispiel über eine Diskussion mit dem stellvertretenden Chef von Pepsicola. Der fragte ihn (Vermieter mit höherer Stimme):
Warum bist du mit deinen Fähigkeiten immer noch auf Kuba? Nenn mir einen einzigen Grund!
(Vermieter genüsslich mit normaler Stimme):
Oh, ich kann dir drei Gründe nennen. Erstens habe ich hier mein eigenes Haus, das gehört tatsächlich nur mir, ich muss noch nicht mal Steuern dafür zahlen.
Zweitens: Nach einem schweren Unfall (es folgen ausschweifende Unfalldetails) musste ich lange behandelt werden. Und was habe ich dafür bezahlt? Really nothing!
Und drittens können meine Kinder hier allein zur Schule gehen und ich muss keine Angst davor haben, dass jemand amoklaufend in der Schule rumballert oder Drogendealer auf die Kinder warten.
Nachdenklich senkte der Pepsicola-Vize den Kopf und mumelte: Nun ja…

La Habana

Die Küche mit gemauerter Kochstelle im übergrünten Patio, freundliche Servicekräfte bringen flink Kaffee und Spiegelei, mundgerechte exotische Fruchtstückchen und Ham und Cheese und Törtchen zum Frühstück. Ein kleiner knochiger Alter fegt langsam Verblühtes zusammen, der betagte Schäferhund des Hauses mit Hüftproblem sucht sich ein Schattenplätzchen, dezente Musicalsounds als Umrandung. Ich denke, ich bin im Disney-Trickfilm.

Verlässt man die traumhafte Unterkunft, knallt die volle Sonne auf geröllige Wege mit stinkenden Müllhalden vor ruinösen Villen, von denen die meisten bewohnt sind. Jemand knickt gesammelte Getränkedosen platt und stopft sie zurück in den Sack, hin und wieder scheucht ein im Schritttempo daherrumpelnder filmreifer Oldtimer die allgegenwärtigen Hühner auf. Hunde ohne Zahl, dem Aussehen nach Straßenköter, doch meistens gehören sie jemandem. Ausser sie kneifen einem ins Hosenbein, dann heißt es „no es mio“.

Steht man vor der Morgendämmerung auf mit ein bisschen moneta national in der Tasche und schlendert den Hügel zur Calzada del 10 de Octubre hinunter, stößt man direkt auf eine Hauptverkehrsader. In krass überfüllten Bussen hängen an den Haltegriffen schattenhafte Gestalten, die zur Arbeit gekarrt werden. Gleich um die Ecke eine Kaffeeverkäuferin mit Thermoskanne, ein Fingerhut voll stark und süß für 1 Peso nacional (ca 5 Cent), das leere Plastikbecherchen gibt man zurück, Nachhaltigkeit. Wieder in kleine Gassen, vorbei an Straßenfegern mit Schubkarren, zum nahegelegenen Park mit Hotspot, gute Verbindung um diese Tageszeit, weil noch kaum jemand surft.

Schon nach 7 Uhr? Auf in den hell gewordenen Morgen zum traumhaften Frühstück in Trickfilmland!

Ohne Sonnenstunden

Man hat sich daran gewöhnt,  Weihnachten in Elterns Seniorenresidenz zu verbringen, es war nun schon das vierte Mal. Kriegserinnerungen, aktuelle Politik, der kleine Lord, am Schal häkeln. Das weihnachtliche Geflöte macht mir mit fortgeschrittenem Alter erstaunlicherweise immer mehr Spass. Textlich sinnfrei, akkustisch schräg, aber gemeinsames Selbermach und Tradition wie die Teppichstolperarie zu Silvester. Über Mutter lieber schweigen.

Bewegung war auch genug und schlechtes Wetter gibt es ja nicht. Durch Rinnsale im Ith hüpfen und rutschen, Härtetest für uns und die Drohne.

Rund ums Kieswerk laufen…

… und bei stürmischen Winden auf dem Ruhbrink.

Gegessen wurde oft im Spiegelsaal der Residenz, ganz ok, doch wenig Frischkost außer konservativem Petersiliendekor. Hier gesättigte Senioren.

Kuba 10

25.-27.2.
Havanna

Obdachlos ist niemand, der Staat stellt jedem kostenlos Wohnraum zur Verfügung. Oder?

Vorm staatlichen Supermarkt steht ein Transporter, es wird säckeweise Reis geliefert. Auf einer Tafel ist mit Kreide geschrieben, wieviel Reis jeder zum Minimalpreis auf Bezugsschein bekommt. Ein Kubaner erklärt es uns.

Beim Platz der Revolution.

Im zentralen Busbahnhof.

Am Malecón.

Callejon de Hamel. Sonntag ist und Rumbamusik.

Voller Santeria-Symbole sollen die Bilder und Installationen stecken.

Man kann hier eigentlich unentwegt Fotos machen.

Zum Schluss doch noch was mit Magen und Darm. Vielleicht mehr psychisch. Geht auch schon wieder.
Am Flughafen Amsterdam Empfang mit vollstem Kommerz, iphone 7 usw… tatata! Heute als schrecklich empfunden, morgen schon wieder ganz normal. Und ich mache ja mit.