Fachwerksaalkirchenruine

Hinter Schwedt über die Brücke nach Krajnik Dolny (Niederkränig). Da soll eine Kirchenruine stehen, und zwar am Ende des Dorfes in Richtung Chojna links eine kleine Sandstrasse rein. Die ist schnell gefunden mitsamt einer dreisprachigen Infotafel: „Ruine einer Fachwerksaalkirche aus der Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jhd. mit dem Kirchturm auf der Westseite. Die leerstehende Kirche wurde nach dem Krieg verwüstet.“

Bisher ist die Kirche noch nicht zu sehen, sie muss hinterm Efeu sein. Wir schlagen uns durch einen kaum erkennbaren gestrüppigen Pfad zwischen hohen Bäumen, stolpern über behauene Steine unterm Efeu. Da vorn wird es lichter.

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Klodowo


Auf polnischer Seite hinter Chojna Richtung Norden, der Sohn fährt genauso gern im Auto rum wie sein Vater, nur ich sitze wieder leicht nervös daneben. In Kłodowo endlich wird am Gotteshaus ausgestiegen. Sieht aus wie eine Wehrkirche.


Die ummauerte Kirchwiese ist von zahlreichen Maulwurfshügeln durchsetzt, die ich alle mit dem Fuss durchwühle, vielleicht kommt ein Knöchelchen oder gar Wertvolleres zum Vorschein? Gleichzeitig hoffnungsvoll und albern. Bin doch selbst blind wie Maulwurf. Andererseits – blinde Henne findet auch mal ein Korn. Finde aber keins.


Dafür Reste alter Grabsteine in der Mauer.


Noch mehr Trümmer deutscher Geschichte.


Das Storchennest auf dem Kirchdach existiert auch schon länger.


Das Storchenpaar bessert gerade seine Brutstätte aus, hin und wieder fliegen beide auf Materialsuche davon.

Angebrannter Polenmarkt

Vor ein paar Wochen zerstörte in Osinow Dolny ein Feuer Teile der Fabrik und umliegenden Stände, darunter auch welche mit Feuerwerk. Das muss ein ziemliches Spektakel gewesen sein, bei Youtube kann man die Knallerei sehen. Zum Glück blieb die nahe gelegene Tankstelle verschont.


Die Fabrik hat es schlimm erwischt; der Wiederaufbau der Stände ist schon in vollem Gang.


Bis hier kam das Feuer.


Angebot: Artikel der Saison.

Fette Tauben in Warschau

Zum Liedermacherfestival in Polens Hauptstadt, drei Länder, drei Teile. Der weissrussische Sänger warnt davor, Frauen mit aufs Meer zu nehmen, weil man sich dann nicht auf die Gefahr konzentrieren kann, der deutsche Sänger schiebt sein altes Fahrrad und der Stil des polnischen Sängers erinnert ein bisschen an Reinhard Mey, aber seine Lieder behandeln politische Themen – bei einem fordert er das Publikum auf, an manchen Stellen „Schande“ oder „Verrat“ rufen, was es emphatisch und mit geballter Faust tut. Auf der Bühne eingeblendet sind die Originaltexte und Übersetzungen ins Polnische, die uns Leszek ins Deutsche übersetzt. Nachher wird noch lecker aufgetischt, eine Organisatorin erzählt, dass sie früher chaotisch punkmässig drauf gewesen wäre, aber in fünf Jahren Deutschland eine gewisse Ordnung gelernt hätte.
Ein ganz besonderer Abend mit sehr nett wirkenden Künstlern.

Zum ersten Mal in Polens Hauptstadt. Prächtig, Theaterpaläste, Banken-Ulica, Schlösser, die Universität. Jemand erklärt auf deutsch eine zentrale Riesensäule: irgendein Fürst, der vor langer Zeit die Metropole von Krakau nach Warschau verlegte.


Erster Eindruck im Dunkeln.


Am nächsten Tag Stadtbesichtigung. Hier Marie Curie-Museum.


Von einem Rynek zum nächsten. Die Tauben in der Innenstadt wirken gut gefüttert wie Masthähnchen.Bei dieser Häuserzeile fragt man sich, ob die hinten hoch angebauten Teile nicht von innen ziemlich dunkel sind.


Wir finden einen offenen Hausdurchgang und gelangen in einen Innenhof, wo eine steinerne Dame die Arbeit des Handwerkers überwacht.


Eine Dienerin des Herrn. Sehr viele Kirchen hier.


Die im Krieg katastrophal zerstörte Altstadt wurde nach alten Plänen wieder aufgebaut.


Aber auch neuere Stilelemente fanden Eingang in die Architektur.


Wanddetail im Erker eines Hauses auf Brusthöhe – weshalb es zu zusätzlichen Schnitzereien anregte.


Hinter dem grünglasigen Gebäude der Kulturpalast, ein 30stöckiges Monumentalwerk mit Marmorsälen, dessen Bau die Russen in den 1950er Jahren beschlossen.


An Wolkenkratzern hat Warschau fast so viele zu bieten wie Frankfurt/Main. Ich zeige mal nur einen davon.

Wir fragen uns, welche Häuser im Zentrum die Katastrophe überstanden haben, können es nicht einschätzen, so sorgfältig und möglichst original wurde der Stadtkern wieder aufgebaut.