Laub

Die sehr alte Nachbarin harkt langsamen Schrittes die letzten Blätter zusammen. Es geht immer schlechter, sagt sie, aber es müsse ja weg, neulich hätte sie vier Karren…und Herr Soundso, obwohl schon 86, komme manchmal zum Helfen.
Ich schaue sie an, ihre weissen Haare immer in Form gelegt, die Augenbrauen immer unauffällig exakt nachgezogen, die zierliche gebeugte Gestalt.
Der Kirschbaum hat noch so viele Blätter. Und auf dem Friedhof das Grab ist auch immer wieder voll, seufzt sie.
Ich erwähne den Nussbaum und dass da jetzt alles runter ist und ich in einem Rutsch wegharken kann. Sie sagt, ihren hätte ihr Mann noch gefällt, wie froh sie darüber sei, so viel und so schwer war das Laub.
Andererseits, sage ich nun doch, hat die Natur das ja so eingerichtet für den Nährstoffkreislauf, diese schützende Schicht, man könnte sie auch liegen lassen. Sie nickt sofort, gibt mir recht. Man hört so viel über ausbeuterische Landwirtschaft, sagt sie. Kurz werfen wir uns die Schlagworte zu, falsche Tierhaltung, Antibiotika, erodierende Böden…
Später fange ich unterm Nussbaum an zu harken. Unter dem regenschweren Laub beim Kompost kommen grosse Mengen Regenwürmer zutage, wie toll. Aber meine Programmierung lautet Laub weg, ich kann sie nicht stoppen, der Weg muss frei sein.

Verlassene Villa

Die Ruine ist in den Hügel gebaut zwischen den Bäumen zu sehen. Aber den Anfang des Weges finden wir nicht, also geht es erstmal steil den Hügel hoch. Und da ist er dann, der Weg, ziemlich breit, wie es sich für die Auffahrt zu einem repräsentativen Gebäude gehört.

Das war mal sehr prächtig. Entworfen vom Architekt Muthesius, Bauzeit von 1909 – 1911. Und zwar zusammen mit einer weiteren Villa auf dem Grund einer uralten Burg.

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Wespenspinne

Zum ersten Mal im Garten gesichtet: eine Wespenspinne. Schiebt sich immer weiter nach Norden vor.

Nachtrag zum afrikanischen Löwenohr: Kraut und Blüte enthalten psychoaktive Stoffe, können Entspannung, Ruhe und Benommenheit auslösen. Tatsächlich ist der Anbau der Pflanze in Polen und Lettland verboten.

Benediktendistel. Muss mich noch genauer über sie informieren. Hier donnert es gerade nach großer Schwüle.

Afrikanisches Löwenohr

Eine erstaunliche Pflanze. Wird fast schlagartig über 2 m hoch und blüht schon im selben Jahr auf verschiedenen Etagen am selben Stängel. Völlig anspruchslos, wächst auch auf schlechtem Boden, ich habe nur anfangs bisschen gegossen und dann überhaupt nicht mehr trotz übergrosser Trockenheit.

Der Spillingewahn ist gerade vorbei, drei Wochen lang fiel das Mus vom Himmel. So wohlschmeckend. Jeden Tag meditatives Aufsammeln. Vielleicht doch mal eine Regentonne voll zu Wein gären lassen.

Saisonaler täglicher Frühstücksteller…

… Saatgewinnungsvorbeitung …

… und schönste Überfülle. Es könnte ruhig länger Sommer sein.

Fürstenwerder Wortgarten

Einstiges Ackerbürgerstädtchen in der Uckermark. Bevölkerung auf 700 Seelen geschrumpft. 3/4 der Stadtmauer noch erhalten. Kaum Empfang. Im Hotel muss man immer wieder nach neuem Wlan-Passwort fragen, das ist zeitlich begrenzt und man bekommt es auf vorbereiteten gelochten Zetteln, mit denen man sich erstmal auf Empfangssuche begeben muss. Schande über die regionale Netzdichte in Deutschland.

Hier nahmen ein Wochenende lang zahlreiche hochdotierte Autoren am „Wortgarten, Festival für Literatur und Musik in der Uckermark“ teil. Und die scheinen sich schon grösstenteils für ein besonders bedeutsames Völkchen zu halten, die Literaten.

Ein einheimischer Landwirt wollte sich uns am ersten Abend mitteilen und erklären, warum er mit Glyphosat arbeitet, konnte aber aufgrund fortgeschrittener Trunkenheit nur noch unverständige Bruchstücke seiner Kenntnisse zu Gehör bringen. Schade, denn er schien sich wirklich eine Menge Gedanken über das Thema gemacht zu haben.

Gutbesuchte Veranstaltungen an verschiedenen Orten und viele neue Eindrücke.