La Habana

Die Küche mit gemauerter Kochstelle im übergrünten Patio, freundliche Servicekräfte bringen flink Kaffee und Spiegelei, mundgerechte exotische Fruchtstückchen und Ham und Cheese und Törtchen zum Frühstück. Ein kleiner knochiger Alter fegt langsam Verblühtes zusammen, der betagte Schäferhund des Hauses mit Hüftproblem sucht sich ein Schattenplätzchen, dezente Musicalsounds als Umrandung. Ich denke, ich bin im Disney-Trickfilm.

Verlässt man die traumhafte Unterkunft, knallt die volle Sonne auf geröllige Wege mit stinkenden Müllhalden vor ruinösen Villen, von denen die meisten bewohnt sind. Jemand knickt gesammelte Getränkedosen platt und stopft sie zurück in den Sack, hin und wieder scheucht ein im Schritttempo daherrumpelnder filmreifer Oldtimer die allgegenwärtigen Hühner auf. Hunde ohne Zahl, dem Aussehen nach Straßenköter, doch meistens gehören sie jemandem. Ausser sie kneifen einem ins Hosenbein, dann heißt es „no es mio“.

Steht man vor der Morgendämmerung auf mit ein bisschen moneta national in der Tasche und schlendert den Hügel zur Calzada del 10 de Octubre hinunter, stößt man direkt auf eine Hauptverkehrsader. In krass überfüllten Bussen hängen an den Haltegriffen schattenhafte Gestalten, die zur Arbeit gekarrt werden. Gleich um die Ecke eine Kaffeeverkäuferin mit Thermoskanne, ein Fingerhut voll stark und süß für 1 Peso nacional (ca 5 Cent), das leere Plastikbecherchen gibt man zurück, Nachhaltigkeit. Wieder in kleine Gassen, vorbei an Straßenfegern mit Schubkarren, zum nahegelegenen Park mit Hotspot, gute Verbindung um diese Tageszeit, weil noch kaum jemand surft.

Schon nach 7 Uhr? Auf in den hell gewordenen Morgen zum traumhaften Frühstück in Trickfilmland!

Still

Die hohen Nadelbäume direkt hinterm Zaun des Nachbargrundstücks wurden nach dem letzten Sturm gefällt.  Der Blick aus dem Küchenfenster geht nun bis zur Blechscheune, es fehlt was,  die neue Helligkeit immer noch ungewohnt.

Januarernte. Noch war kein starker Frost.

Die Zaubernuss entfaltet sich.

Der Hölzchensee Die Pulvermühle steht still und schweiget…

Wenn man unter die Oberfläche gucken könnte.

Tor zur Unterwelt.

Ohne Sonnenstunden

Man hat sich daran gewöhnt,  Weihnachten in Elterns Seniorenresidenz zu verbringen, es war nun schon das vierte Mal. Kriegserinnerungen, aktuelle Politik, der kleine Lord, am Schal häkeln. Das weihnachtliche Geflöte macht mir mit fortgeschrittenem Alter erstaunlicherweise immer mehr Spass. Textlich sinnfrei, akkustisch schräg, aber gemeinsames Selbermach und Tradition wie die Teppichstolperarie zu Silvester. Über Mutter lieber schweigen.

Bewegung war auch genug und schlechtes Wetter gibt es ja nicht. Durch Rinnsale im Ith hüpfen und rutschen, Härtetest für uns und die Drohne.

Rund ums Kieswerk laufen…

… und bei stürmischen Winden auf dem Ruhbrink.

Gegessen wurde oft im Spiegelsaal der Residenz, ganz ok, doch wenig Frischkost außer konservativem Petersiliendekor. Hier gesättigte Senioren.

Beinwellsalbe

Dunkle kalte Zeit ist Wurzelausgrabzeit. Beinwellwurzel, schwarz, lang und verschlungen. Bein von mhd. für Knochen, well von mhd. wallen = zuwachsen, heilen, sprechender Name. Allantoin heißt der heilende Wirkstoff dieser Pflanze, er beschleunigt den Zellaufbau, hilft, Wunden schneller zu verschließen. Wir wollen Heilsalbe herstellen.

Zuerst 300 g Wurzeln schälen. Nach Entfernung der schwarzen Haut fassen sie sich schleimig an. Die dunklen kleingeschnittenen Teile haben schon eine Woche in Olivenöl gelegen, das heißt, ein großer Teil der Wirkstoffe wurde vom Olivenöl bereits ausgezogen.

Weil das Olivenöl für die Menge, die wir herstellen wollen, nicht ausreicht, kommt noch selbstgemachtes Johanniskrautöl von Chr. dazu. Schöne rötliche Farbe. Ölmenge gesamt: 450 ml.

Kleingeschnittene Beinwellwurzeln rein und auf 70 Grad erwärmen, um Keime abzutöten. Nicht höher, weil das Allantoin sonst seine Kraft verlieren würde. Eine Stunde ziehen lassen. Weinchen genehmigen.

Öl abfiltern, 75 g Lanolin und 75 g Bienenwachs zugeben, unter Rühren langsam erhitzen, bis alles geschmolzen ist. Je 30 Tropfen ätherisches Lavendelöl und Wintergrünöl dazu. Dann geduldig rühren, bis die Masse auf Handwärme (37 Grad) abgekühlt ist.

In Schraubgläschen füllen, erstarren lassen, fertig.